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Bürowirtschaft - alter Wein in neuen Fässern?
Sicherlich gibt es den Versuch, Praxis in die kaufmännische Ausbildung zu bringen, schon lange; ob dies nun wie früher "Kontorübungen" genannt wurde oder spezielle Betriebswirtschaft wie in einigen anderen Bundesländern oder eben Bürowirtschaft.
Gemeinsam ist sicher allen der Versuch, praxisorientiert und gerecht zu unterrichten. Unterschiede wird es aber vor allem in den Methoden von früher gegenüber heute geben.
Je nach Schulform wird heute in der Regel ein so genanntes Modellunternehmen eingerichtet, das als Basis aller kaufmännischen Tätigkeiten dient. Ob dieses Basisunternehmen nun "Rand OHG" oder "Büroplus GmbH" oder "Primus GmbH" oder sonst wie heißt, ist völlig egal. Wichtig ist, dass sich die Schülerinnen und Schüler nach einer gewissen Zeit mit dem Unternehmen identifizieren.
Nach einer intensiven Ergründung der funktionalen und organisatorischen Zusammenhänge innerhalb dieses Modellunternehmens werden die Schülerinnen und Schüler anhand von grundlegenden "Geschäftsgängen" in die Praxis des kaufmännischen Denkens und Handelns eingeführt. Nach und nach übernehmen die Schülerinnen und Schüler in immer größer werdender Eigenverantwortung die Führung des Unternehmens:
Sie bilden Abteilungen wie Einkauf, Verkauf, Rechnungswesen, Lager/Versand, Personal, allg. Verwaltung.
Sie erfahren, dass neben diesem inneren Netzwerk eine Vielzahl von Außenbeziehungen existieren, sei es zu den Kunden, zu den Lieferanten, zu der Bank oder auch zum Finanzamt.
Nun reicht es nicht, hierüber zu sprechen, sondern die Schülerinnen und Schüler müssen ausgewählte Tätigkeiten selbständig ausführen und überwachen. Besonders intensiv wird die Geschichte z. B. dann, wenn die Personabteilung den Mitarbeitern die Löhne und Gehälter falsch ausrechnet oder nicht überweist. Ebenso emsig wird die Zahlungsmoral der Kunden überwacht, wenn man jedoch selbst von Lieferanten angemahnt wird, drückt man hierüber schon mal seine Verwunderung aus. Natürlich sind die Schülerinnen und Schüler nicht immer in der Lage, diesen Prozess von alleine in Gang zu setzen und/oder zu halten. Hier muss die Lehrerin oder der Lehrer kompetent und einfühlsam Hilfe und Motor zu gleich sein. Sie/Er darf jedoch nie der Versuchung verfallen, das Zepter wieder selbst in die Hand zu nehmen.
Natürlich muss irgendwann einmal überprüft werden, wie "wirtschaftlich" das Unternehmen gearbeitet hat. Allein diese Fragestellung wirft riesige Probleme auf, muss doch jede Tätigkeit nachvollziehbar und belegbar sein. Hier ist dann vor allem die Buchführung gefragt. Um so größer ist die Enttäuschung, sollte es am Jahresende zu einem Verlust gekommen sein, doch auch hier gilt:
Es ist müßig zu erwähnen, dass nach einer kurzen Einarbeitungszeit der Computer das wesentliche Hilfs- und Arbeitsmittel ist. Kaufmännische Software von Microsoft wie Word und Excel oder von Lexware, Grafik- und Präsentationsprogramme wie Power Point stehen den Schülerinnen und Schülern in einem Raum (Lernbüro) neben DIN- und normgerechten Arbeitsmöbeln zur Verfügung. Eine raum-, hausinterne Vernetzung und die Internetanbindung erlauben ein zeitgerechtes und erfolgversprechendes Arbeiten als Vorbereitung auf eine kaufmännische Ausbildung oder als begleitender Unterricht während der Ausbildungszeit und für die Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer.
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